Dr. Karim in Deutschland
Kapitel 5: Der Anruf
Drei Wochen sind vergangen. Karim sitzt allein am Küchentisch. Auf dem Herd dampft Tee.
Sein Handy liegt daneben – wie jeden Tag. Heute hat er keinen Anruf erwartet.
Dann klingelt es.
„Herr Al-Hamadi? Ärztekammer Nordrhein. Wir haben Ihre Ergebnisse.“
Sein Herz klopft. Die Stimme fährt fort:
„Sie haben bestanden. Herzlichen Glückwunsch!“
Er sagt nichts. Er kann nicht.
Dann flüstert er: „Danke. Vielen, vielen Dank.“
Nach dem Gespräch bleibt er lange sitzen.
Er denkt an seinen Vater in Damaskus, der immer gesagt hatte:
„Du wirst Arzt. Nicht für den Titel. Für die Menschen.“
Doch was ist mit den Menschen in Syrien? Mit seiner Schwester in Aleppo?
Mit seiner Heimat?
„Was, wenn ich zurückgehe?“ denkt er.
Dann schüttelt er den Kopf.
„Und doch bin ich jetzt hier.“
Er schreibt Farid: „Ich habe bestanden.“
Farid antwortet fast sofort: „Ich hab’s gewusst. Jetzt kommt die große Prüfung.“
Kapitel 6: Die Vorbereitung
Der Kurs ist fordernd. Drei Abende die Woche.
Fachbegriffe, Patientenaufklärung, Fallbeispiele.
Der Kursleiter sagt:
„In der Prüfung geht es nicht nur um Wissen, sondern auch um Empathie.
Können Sie erklären, was der Patient hat – so, dass er es versteht?“
Karim übt Gespräche:
„Sie haben eine leichte Lungenentzündung.“
„Wir machen noch eine Blutuntersuchung.“
„Bitte sagen Sie mir, ob Sie Schmerzen haben.“
Manchmal stockt er. Aber immer öfter läuft es flüssig.
Nach dem Kurs trinkt er mit anderen Teilnehmenden Tee.
Eine Frau aus Georgien, ein Mann aus dem Iran, eine junge Ärztin aus der Ukraine.
Sie lachen – über medizinische Fachbegriffe und Bürokratie.
Karim denkt: „Vielleicht schaffe ich es wirklich.“